Blog · 27. Oktober 2026

KI-Coding-Agent auf dem eigenen VPS: Claude Code, Cursor CLI & Codex ohne Laptop

Stand: 27. Oktober 2026 · Befehle und Anforderungen gegen die offiziellen Docs von Anthropic, Cursor und OpenAI geprüft, Serverpreise gegen contabo.com

Lange Agent-Läufe haben ein banales Problem: Klappst du den Laptop zu, ist die Session weg. Claude Code, die Cursor CLI und die Codex CLI laufen aber alle im Terminal. Deshalb kannst du sie auch auf einem kleinen Linux-Server starten, per SSH anstoßen und später wieder reinschauen. Hier steht, was du dafür brauchst, mit welchen Befehlen du die drei Tools installierst, wie der Login ohne Browser auf dem Server klappt und worauf du bei der Sicherheit achten solltest.

Warum überhaupt ein Server?

  • Der Agent läuft weiter, auch wenn dein Laptop schläft oder du offline bist. Du verbindest dich später per SSH wieder mit der Session.
  • Getrennte Umgebung: Ein Agent mit Shell-Zugriff arbeitet auf dem Server statt auf deinem privaten Rechner mit Browser-Logins, Passwörtern und Fotos.
  • Vom Handy steuern: Bei Claude Code geht das offiziell über Remote Control (siehe unten).

Was ein Server nicht ändert: die Kosten für das KI-Tool selbst. Du brauchst weiterhin ein Abo oder einen API-Key. Was die Tools im Monat kosten, rechnest du im KI-Coding-Kostenrechner durch.

Welcher Server reicht?

Laut den Claude-Code-Docs braucht Claude Code unter Linux Ubuntu 20.04+, Debian 10+ oder Alpine 3.19+, mindestens 4 GB RAM, einen x64- oder ARM64-Prozessor und eine Internetverbindung. Rechnen muss der Server wenig, denn die Modelle laufen in der Cloud des Anbieters. RAM brauchst du vor allem für dein Projekt selbst: Build, Tests, Datenbank, Dev-Server.

Ein Beispiel aus dem Einstiegssegment (laut contabo.com/de/vps, abgerufen am 27.10.2026):

PlanvCPURAMSpeicherPreis laut Website
Cloud VPS 448 GB100 GB SSDab 4,40 €/Monat
Cloud VPS 6612 GB200 GB SSD oder 100 GB NVMeab 6,00 €/Monat
Cloud VPS 8824 GB300 GB SSD oder 150 GB NVMeab 11,20 €/Monat

Die Preise gelten laut Contabo als Aktionspreis für die ersten 24 Monate, Einrichtungsgebühren fallen laut Website nur beim Einstiegsplan an. Maßgeblich ist der Preis, den dir der Bestellprozess anzeigt (Laufzeit, MwSt., Standort). Nach den Mindestanforderungen von Claude Code reicht schon der kleinste Plan mit 8 GB RAM. Wenn dein Projekt große Builds oder mehrere parallele Agents braucht, plane mehr RAM ein.

Unser Tipp für den Einstieg: Ein kleiner VPS mit Ubuntu reicht für die drei CLIs, z. B. bei Contabo*. Jeder andere Anbieter mit Linux-VPS und SSH-Zugang funktioniert genauso.

* Affiliate-Link (Werbung): Bestellst du darüber, erhält Syntaxlabor eine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

Schritt 1: Server vorbereiten

  • VPS mit einem aktuellen Ubuntu oder Debian bestellen und beim Setup deinen SSH-Key hinterlegen.
  • Einen normalen Benutzer anlegen und den Agent nicht als root laufen lassen.
  • Passwort-Login per SSH abschalten und nur die Ports öffnen, die du wirklich brauchst.
  • git und tmux installieren und dein Repo klonen.
ssh du@dein-server
sudo apt update && sudo apt install -y git tmux
tmux new -s agent      # Session starten
# ... arbeiten, dann mit Strg+B, D abkoppeln
tmux attach -t agent   # später wieder einsteigen

tmux ist der wichtigste Baustein: Die Session läuft auf dem Server weiter, auch wenn deine SSH-Verbindung abbricht. Anthropic empfiehlt das ausdrücklich: Wer claude auf einem entfernten Rechner startet, soll das in tmux oder screen tun, damit die Session das Trennen von SSH überlebt.

Schritt 2: Claude Code installieren und einloggen

curl -fsSL https://claude.ai/install.sh | bash
claude --version
claude doctor
claude          # beim ersten Start einloggen
  • Konto: Claude Code braucht ein Pro-, Max-, Team- oder Enterprise-Abo oder ein Console-Konto (API). Der kostenlose Claude-Plan enthält kein Claude Code.
  • Login über SSH: Öffnet sich kein Browser, kannst du die Login-URL mit c kopieren und lokal öffnen. Zeigt der Browser danach einen Code an, fügst du ihn im Terminal ein. Laut Docs passiert das häufig in SSH-Sessions.
  • Für Skripte: claude setup-token erzeugt ein OAuth-Token mit einem Jahr Laufzeit für die Variable CLAUDE_CODE_OAUTH_TOKEN. Alternativ geht ANTHROPIC_API_KEY, dann zahlst du pro Token.
  • Ohne Rückfragen: claude -p "Aufgabe" läuft nicht-interaktiv, praktisch für Cronjobs oder Skripte.

Claude Code vom Handy steuern: Remote Control

Mit claude remote-control (oder /remote-control in einer laufenden Session) verbindest du die Session auf dem Server mit claude.ai/code oder der Claude-App für iOS und Android. Laut Docs baut Claude Code dafür nur ausgehende HTTPS-Verbindungen auf, du musst also keinen Port öffnen. Zwei Einschränkungen: Remote Control gibt es nur mit Pro-, Max-, Team- oder Enterprise-Abo, nicht mit API-Key, und auch nicht mit dem Token aus claude setup-token. Dafür loggst du dich normal per claude auth login ein.

Schritt 3: Cursor CLI installieren und einloggen

curl https://cursor.com/install -fsS | bash
NO_OPEN_BROWSER=1 agent login   # zeigt die Login-URL an
agent status
agent "Erklär mir die Ordnerstruktur"
  • Der Befehl heißt agent. Mit agent -p "…" läuft er nicht-interaktiv, --mode=plan bzw. --mode=ask wählt den Modus.
  • Für Skripte gibt es einen API-Key aus dem Cursor-Dashboard (API Keys), den du als CURSOR_API_KEY setzt.
  • Sessions findest du mit agent ls wieder und setzt sie mit agent resume fort.
  • Alternative ohne eigenen Server: Stellst du einer Nachricht ein & voran, gibt die CLI die Aufgabe an einen Cloud-Agent ab, den du unter cursor.com/agents weiterverfolgst.

Schritt 4: Codex CLI installieren und einloggen

curl -fsSL https://chatgpt.com/codex/install.sh | sh
codex login --device-auth   # Login per Gerätecode (Beta)
codex login status
codex
  • Der Login per Gerätecode ist laut OpenAI noch Beta und muss vorher in den Sicherheitseinstellungen deines ChatGPT-Kontos aktiviert werden.
  • Klappt das nicht, nennen die Docs zwei Alternativen: einen SSH-Tunnel (ssh -L 1455:localhost:1455 du@dein-server, dann codex login) oder das Kopieren von ~/.codex/auth.json von einem Rechner, auf dem du schon eingeloggt bist. Diese Datei behandelst du wie ein Passwort.
  • Mit API-Key: printenv OPENAI_API_KEY | codex login --with-api-key. Dann wird zu API-Preisen abgerechnet statt über dein ChatGPT-Abo.
  • codex exec ist für Skripte und CI gedacht, codex resume holt eine frühere Session zurück.

Sicherheit: was du nicht vergessen solltest

  • Der Agent hat eine Shell. Er kann alles, was der Benutzer auf dem Server darf. Deshalb ein eigener Benutzer ohne root und nur die Repos, die er wirklich braucht.
  • Zugangsdaten gehören nicht ins Repo. API-Keys, Tokens und auth.json nur als Umgebungsvariable oder Datei mit engen Rechten.
  • Nichts öffentlich machen. OpenAI schreibt in den Codex-Docs ausdrücklich, dass du die Codex-Ausführung nicht in nicht vertrauenswürdigen oder öffentlichen Umgebungen freigeben sollst. Das gilt sinngemäß für alle drei Tools.
  • Dateien aus dem Netz prüfen. Agents lesen Anweisungsdateien wie AGENTS.md oder CLAUDE.md. Was du in Repos und Downloads ungeprüft übernimmst, kann den Agent steuern (mehr dazu im Digest #6).

Was kostet das insgesamt?

Zwei Posten: der Server (im Beispiel oben laut Website ab 4,40 €/Monat) und das KI-Tool. Der zweite Posten ist fast immer der größere. Wie viel, hängt davon ab, ob du ein Abo nutzt oder pro Token zahlst.

Rechne es durch: Im KI-Coding-Kostenrechner vergleichst du Cursor, Claude Code, Copilot, Codex & Co. nach deiner Nutzung, kostenlos und ohne Anmeldung.

Fazit

Für einen Agent, der ohne Laptop weiterläuft, brauchst du keinen großen Server: ein kleiner Linux-VPS, ein eigener Benutzer, tmux und der richtige Login-Weg für dein Tool reichen. Claude Code hat mit Remote Control den bequemsten Weg aufs Handy, die Cursor CLI kann Aufgaben zusätzlich an Cloud-Agents abgeben, und Codex loggst du per Gerätecode oder SSH-Tunnel ein. Vor allem bei der Sicherheit lohnt es sich, sauber zu arbeiten.

Mehr zum Thema: Claude Code: Abo oder API?, Cursor vs Claude Code und Cursor Preise erklärt.

Quellen

Fragen / Korrekturen: kontakt@syntaxlabor.de